Kletterzucchini gibt es nicht – Zucchini muss man hochbinden!

"Kletterzucchini" - eine normale Zucchini am Stab bzw. Pfahl hochgezogen

Meine „Kletterzucchini“ ist eine normale, reich tragende Zucchini, die an einem Pfahl hochgeleitet wurde

Als ich das erste Mal versucht habe, eine sogenannte Kletterzucchini zu kultivieren, begann ich mich  zu fragen: Gibt es wirklich eine Kletter-Zucchini, die von selbst freudig Zäune und Spaliere berankt ?

Denn so hatte ich mir das vorgestellt!
Deswegen habe ich mit auch zwei Pflanzen der bekannten Kletterzucchini-Sorte Black Forest F1 besorgt und schon einmal eine stabile Rankhilfe gebaut.
Und um es gleich zu sagen: Nein, es gibt keine einzige Zucchini, die von selbst an einer Rankhilfe nach oben klettert!

Kletterzucchini vs. Normal-Zucchini

Die beiden Pflanzen der Spezial-Zucchin waren von Anfang an sehr langsam im Wachstum. Letztlich hat von den beiden gekauften Kletter-Zucchini dann auch nur eine die Schnecken überlebt. Die zweite habe ich mit einer normalen Zucchini vom Gärtner am Markt ergänzt.

Beide Zucchini wuchsen, ein Blatt nach dem anderen schob aus dem kräftigen Pflanzenkörper – und beide blieben am Boden.  Die letzte von den beiden Kletterzucchini hat dann irgendwann aufgegeben und wollte nicht mehr weiter wachsen. Übrig blieb die Normalo-Zucchini Die habe ich dann als Kletterzucchini an einem Pfahl ca. 1,70 m mit Hochbinden nach oben gezogen und sie ab August am Ende des Pfahls wieder hängend nach unten wachsen lassen.

Es ist die schlichte Wahrheit: Es gibt keine „Kletterzucchini“, die wie ein Hokkaidokürbis selbständig an allem Möglichen nach oben rankt.  Eine Zucchini klettert nicht von selbst, keine, nie! Man muss sie immer selber hochbinden!

Und auch wichtig ist: Zum Hochleiten einer Zucchini reicht kein Tomaten-Staberl! Für diese schwere und auch schwer zu bändigende Pflanze braucht es schon einen fest in die Erde gerammten Pfahl. Und zum Binden ist auch kein Gartendraht oder -schnur geeignet. Daran würde der schwere Trieb abbrechen. Ich habe sie mit einen breiten Mullbinde nach oben gezogen.

Das einzige, was nach meinen Recherchen einen Unterschied zwischen Kletterzucchini und Normalzucchini macht ist, dass erstere längere Internodien hat. Das sind die Abstände von einem Blattquirl zu nächsten. Das würde natürlich das manuelle Hochleiten vereinfachen.
Dazu habe ich aber keine Erfahrung, da mir beide Kletter-Zucchini Pflanzen eingegangen sind.

Die Normalo-Zucchini als Kletterzucchini überzeugt!

Die als Kletter-Zucchini hoch gezogene Normal-Zucchini trug sehr reichlich und hat uns und die Nachbarschaft bis zum ersten Frost regelmäßig  mit schmackhaften Früchten versorgt. Wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil der Mehltau – so luftig wie die Zucchini nach oben gezogen stand – keine Chance hatte. Und die Früchte blieben sauber, trocken und vor Schnecken geschützt.

Aber da steht doch „Kletterzucchini“

Das ist einfach Beschiss!! Alle Samenhändler und  Gartenmärkte  bewerben auf Samentütchen oder Produktbeschreibungen ihre „kletternde“ Zucchini. Aber meist weisen sie dann irgendwo, meist nicht gleich oder nicht einfach erkennbar, genau darauf hin, dass das, was auf dem Etikett versprochen wird – eine kletternde Zucchini – eigentlich nicht stimmt.

Beispiele:

  • Quedlingburger – „Kletterzucchini, Black Forest F1 – rankend…“
    Erst viel weiter unten heißt es:
    „Gärtnertipp: Eigene Verankerungsorgane besitzt die Zucchini nicht, daher muss sie regelmäßig an einen Pflanzstab angebunden werden. „
  • Auch die Kletterzucchini ‚Ola Escaladora‘ bei Tom-Garten schaut auf dem Bild toll rankend aus – im Text dann jedoch auch: „Die Ranken sind regelmäßig anzubinden“.
  • Der Dehner ist schon etwas ehrlicher, obwohl er sein Produkt immer noch Kletterzucchini nennt.
    Sein Bild zeigt deutlich, wie die sogenannte „Klatterzucchini“ nach oben angebunden ist und verspricht auch kein „Ranken“ . Unter den Standort und Pflegetipps schriebt er: „Da die Kletter-Zucchini nicht selbstrankend ist, muss sie an einer Rankhilfe hochgebunden werden!“
  • Interessant: bis vor kurzem stand auch bei Hausgarten.net:
    „Kletter-Zucchini, wie zum Beispiel die Sorte Black Forest, braucht beim Ranken Unterstützung. Verwendet werden können Gitter, Tomatenspiralstäbe, Schnüre oder auch Kletterdrähte bzw. -seile. Da sie nicht von selbst klettert, muss sie an dem Rankgerüst bzw. der Kletterhilfe angebunden werden. Bei einer fehlenden Rankhilfe oder wenn sie nicht aufgebunden wird, breitet sich die Kletter-Zucchini kriechend auf dem Boden aus.“  Dieser Passus ist inzwischen im Beitrag Kletter-Zucchini & – Anbau und Pflege gelöscht.

 

 

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9 Gedanken zu „Kletterzucchini gibt es nicht – Zucchini muss man hochbinden!“

  1. Gartenblogger Johann

    @PIA WINKLER
    Trombetta di Albenga ist eigentlich ein Kürbis, ein Schlangenkürbis.
    Deswegen rankt er auch. Zucchini im eigentlichen Sinn ranken definitiv nicht.

  2. Es gibt sie definitiv. In meinem Garten wachsen Kletterzucchini, die über mehrere Meter eine Pergola erobert haben. Ein hellgrüne Sorte mit kräftigen Rankorganen und höherer Wuchsfreudigkeit als meine Hokkaidos. Nur weil man selber noch keine hatte, heißt das nicht, dass es sie nicht gibt. Ein Festbinden ist völlig unnötig, solange etwas da ist woran sie sich festhalten kann. Wenn man Zucchini (oder Gurken) an Tomatenstäbe wickelt, stehen die Rankorgane nach außen ab. So bekommen sie logischerweise nichts zu fassen. Ein paar grobe Schnüre machen da viel mehr Sinn.
    VG
    Claudia

    1. Gartenblogger Johann

      Das ist eigentlich ein Kürbis, ein Schlangenkürbis.
      Deswegen rankt er auch. Zucchini im eigentlichen Sinn ranken definitiv nicht.

  3. Michael Knobloch

    @Johann:
    Mit großem Intresse sehe ich auf dem Bild oben, dass bei der Zuccini die unteren Blätte weggeschnitten sind. Verbessert das das Wachstum der Pflanzen?

    Die großen Blätter helfen auf meinen Beeten den Boden feucht zu halten – auch wenn die riesigen Teile mir immer wieder die Wege zwischen den Beeten überwuchern.

    Ich habe dieses Jahr 2 Zuccini’s auf den Beeten, eine normale und eine „Honig -Zuccini“ die – dank regelmässigen wässern’s – etwa alle 2 Tage 2 – 3 Zuccini’s fertig haben.

  4. Ich hatte vor drei Jahren das Glück, eine wirklich rankende Zucchini erwischt zu haben. Natürlich musste ich sie anbinden, aber sie wollte eindeutig selbst nach oben wachsen. Dieses Jahr versuche ich auch sie hochzubinden. Das gelingt aber nur bedingt, weil man der Pflanze anmerkt, dass sie lieber wieder nach unten und nicht nach oben möchte.

  5. Hallo, ich habe letztes Jahr eine Kletterzucchini bei Gartentagen in Beilngries gekauft. Die Pflanze setzte ich in einen großen Topf ein und band sie an einem großen Tomatenstab fest. Sie wuchs wunderbar, auch die Ernte war super. Meine Zucchini, die ich vor 2 Jahren hatte, wand sich am Boden entlang, hatte wenig Ertrag und ging schnell kaputt. Also ist das Ergebnis der letztjährigen Pflanze 100 Prozentig und perfekt. Ergo: es gibt die Kletterzucchini

    1. Gartenblogger Johann

      Glückwunsch für die schöne Ernte.
      Aber wie du schreibst:
      „setzte ich in einen großen Topf ein und band sie an einem großen Tomatenstab fest“ zeigt ja genau das, was ich beschreibe. Die Zucchini „klettert“ nicht von selbst, wie es der Begriff „Kletter-Zucchini“ suggeriert, sondern sie muss hochgebunden werden. Das kann ich mit jeder Zucchini.
      Ergo: es gibt keine Kletter-Zucchini, die von selbst ranken.

      1. Kathleen Pöschl

        Danke für deinen Tip. Mach es seid 3 Jahren das erste mal mit hochbinden . Vielen vielen Dank lg

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