Naturgarten-Zertifikat: Der Freisinger Garten ist ein Garten für Mensch und Natur

Das Schild „Naturgarten – Bayern blüht“ ziert schon das Gartentürl (Foto: Robert Stangl)

Im Frühjahr stöberte ich wieder einmal in den sehr informativen Hobby-Gartler-Seiten der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Da ist mit etwas ins Auge gefallen: Gartenzertifizierung „Bayern blüht – Naturgarten“!

Da heißt es: „Sie haben bereits einen Naturgarten, naturnahen Garten oder einen vielfältig belebten Garten? Wie Sie auch Ihren Garten bezeichnen, setzen Sie mit der Gartenplakette ein sichtbares Zeichen für die nachhaltige und ökologische Bewirtschaftung und vielfältige Gestaltung. Wenn Ihr Garten die Kriterien für Ökologie und für Biodiversität erfüllt, dann sind Sie mit dabei!“

Naturgarten-Zertifizierung – das will ich wissen

Drei Personen halten Naturgarten Plakette und Urkunde
Landrat Josef Hauner und Anja Aigner, Kreisfachberaterin für Gartenbau und Landespflege, überreichten die Naturgartenzertifizierung (Foto: Robert Stangl)

Ich habe mir gedacht: Du kannst nur gewinnen: Denn, auch wenn du das Zertifikat nicht erhältst, so schauen doch viele geschulte Augen auf deinen Garten und können dir hilfreiche Tipps geben. Also habe ich mir einen Schubs gegeben.

Nach einer unkomplizierten Bewerbung über die Bayerische Gartenakademie (Link siehe unten) war es dann Ende September soweit: Der Tag der Zertifizierung!
Die zahlreichen Prüfer (warum es ausnahmsweise mehr als einer war, steht weiter unten) schwärmten durch den Garten. Dabei schauten sie in wirklich jede Ecke, machten sich anhand einer Checkliste Notizen und löcherten mich mit gezielten Fragen. Anschließend zogen sie sich zur Beratung zurück. Nach einer gefühlten Ewigkeit wurde mir dann das Ergebnis der Zertifizierung verkündet:
Mein Gartenkonzept und dessen Umsetzung hat die Zertifizierung „Bayern blüht – Naturgarten“ mit einem sehr gutem Ergebnis bestanden! Von den 28 möglichen Punkten bei den vierzehn Kann-Kriterien vergaben die Gartenspezialisten mit 25 Smilies fast volle Punktzahl. Die vier obligatorischen Kernkriterien (siehe unten) waren natürlich ebenso erfüllt.

Nachdem die Garten-Jury ihr Urteil gefällt hatte, gab es noch ein hilfreiches Beratungsgespräch zur weiteren Optimierung der Naturnähe und Biodiversität. Dabei wurden auch die Kriterien angesprochen, die „nur“ einen Smiley erhalten haben, wobei mich eigentlich nur der fehlende zweite Punkt bei „Wildes Eck“ schmerzt. Ist doch mein ganzer Garten ein einziges wildes Eck :) Im anschließenden Beratungsgespräch konnte das und anderes geklärt werden.

Besonders beeindruckt war der Leiter der Bayerischen Gartenakademie Dr. Becker vom Bodenzustand sowie der Mischkultur und vertikalen Struktur des Gemüsegartens.

„Erster amtlich beurkundeter Naturgarten im Landkreis“

Urkunde „Bayern blüht – Naturgarten“

Der Erhalt des Zertifikats hat mich sehr gefreut, ist es doch eine Bestätigung, dass man auf dem sich selbst gesteckten Ziel auf dem richtigen Weg ist. Denn wenn alles scheinbar wild durcheinander wächst, Abgeblühtes und Abgestorbenes auch mal stehen bleibt oder manches Unkraut einfach nur Kraut sein darf, dann muss man sich auch schon mal vor Nachbarn, Verwandschaft und anderen Gartenbesuchern rechtfertigen.

Als ersten zertifizierten Naturgarten in Landkreis Freising lies es sich Landrat Josef Hauner nicht nehmen, zusammen mit Frau Anja Aigner von der Naturschutzbehörde und Kreisfachberaterin für Gartenbau und Landespflege die Plakette und Urkunde im neuen Naturgarten zu überreichen.

Zeitungsbericht über die Verleihung von Urkunde und Plakette durch den Landrat und Naturschutzbehörde (Quelle: Freisinger Tagblatt)

Auch die Zeitung berichtete: „So finden sich im Garten von Johann Seidl nicht nur Obstbäume, eine Vielzahl an blühenden Blumen und Stauden, sondern auch Totholz, Wiesenelemente mit Wildkräutern und aus der Sicht des Naturschutzes besonders wertvolle „wilde Ecken“, die vielen Tierarten Lebensraum und Unterschlupf bieten.“ (Quelle: Bericht in der Süddeutschen Zeitung)

Der Weg zum Naturgarten

Ein Naturgarten ist natürlich nicht überall möglich oder gewünscht und jeder Gartler hat seinen eigenen Stil. Jeder Garten hat seine eigene Schönheit und Lebendigkeit – mit Ausnahme der angeblich so pflegeleichten Schottergärten (da habe ich eine deutliche Meinung, nicht zu verwechseln mit Steingärten).
Wer jedoch seinen Garten in einen Naturgarten verwandeln will, braucht vor allem Zeit und Geduld. Man muss auch für sich selbst die richtige Mischung finden zwischen Planung und Zufall, Gestaltung und der hohen Kunst, die Hände in den Hosentaschen zu belassen, auch wenn es einen zwickt, Schere oder Spaten in die Hand zu nehmen.
Und „Bio“ alleine reicht nicht. Bei der Bewirtschaftung des Gartens und Erzeugung von Obst und Gemüse mit biologisch unbedenklichen Stoffen zu arbeiten ist Voraussetzung. Darüberhinaus aber muss der Garten auch ein vielfältiger und Struktur reicher Lebensraum für Vögel, Säuger, Insekten und Bodenlebewesen sein.

Der Weg zum Ökogarten verläuft sanft und ohne große Umbrüche. Der Garten entwickelt sich einfach langsam Richtung Naturgarten und muss nicht – kann nicht – von heute auf morgen umgekrempelt werden.
Viele hilfreiche Schritt für Schritt Infos bietet dazu der Naturschutzbund Deutschland NABU. Link dazu am Ende der Seite.

Die vier Must-haves für einen Naturgarten

Ein Naturgarten will in ganz besonderer Weise Lebensraum und Heimat sein für Mensch, Pflanze und Tier. Mit der Initiative Gartenzertifizierung „Bayern blüht – Naturgarten“ soll die Vielfalt von arten- und strukturreichen Lebensräumen im Privatgarten und dessen Natur verträgliche Bewirtschaftung gefördert werden.

Das Zertifikat „Naturnaher Garten“ wird erst nach einer genauen Inspektion des Garten im Rahmen einer Gartenbegehung und anschließender -beratung verliehen. Dabei werden insgesamt 4 Kern- und 14 Kann-Kriterien bewertet.
Die vier obligatorischen Kriterien für den Erhalt des Gartenzertifikats sind:

  • Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger
  • Verzicht auf den Einsatz von Torf
  • Hohe ökologische Vielfalt – Biodiversität

Ist einer dieser Punkte nicht erfüllt, kann das Zertifikat auch bei sonst guter Beurteilung (Kann-Kriterien) nicht erteilt werden.

Die Kann-Merkmale eines Naturgartens

Die Kann-Kriterien sind die „Kür“ im Naturgarten. Begutachtet werden dabei 14 Aspekte eines naturnahen und artenreichen Gartens. Diese sind gegliedert in die Bereiche „Naturgartenelemente“ und „Bewirtschaftung & Nutzgarten“. Jeder dieser Aspekte kann mit maximal zwei Punkten bewertet werden. Von diesen möglichen 28 Punkten müssen 14 für eine erfolgreiche Zertifizierung erreicht werden.
Die Kriterien sind:

Naturgartenelemente

  • Der Admiral labt sich am reichen Nektarangebot des blühenden Efeus

    Wildes Eck

  • Zulassen von Wildkraut
  • Wiese und Wiesenelemente
  • Vielfalt der Lebensräume
  • Laubbäume
  • Blumen und blühende Stauden – Insektennahrungspflanzen
  • Gebietstypische Sträucher und Gehölze

Bewirtschaftung & Nutzgarten

  • Ein wildes, aber nicht planloses Durcheinander

    Gemüsebeet & Kräuter

  • Komposthaufen
  • Mischkultur – Fruchtfolge – Gründüngung – Mulchen
  • Nützlingsunterkünfte
  • Obstgarten & Beerensträucher
  • Regenwassernutzung & Bewässerung
  • Umweltfreundliche und regionaltypische Materialwahl

Schulung künftiger Zertifizierer – mein Garten als Klassenzimmer

Nach einer kurzen Fragerunde inspizierten die Garten-Spezialisten die Location

Da ich mich als einer der ersten für die Zertifizierung „Naturgarten – Bayern blüht“ beworben habe, wurde ich von der Bayern weit dafür zuständigen Bayerischen Gartenakademie gefragt, ob ich bei der Zertifizierung meinen Garten gleichzeitig als Schulungsobjekt für die noch auszubildenden und dringend benötigten Zertifizierer zur Verfügung stellen wollte. Aufgabe der Zertifizierer ist es, interessierte Gartenbesitzer im Sinne der Ziele der Gartenzertifizierung zu beraten und die Zertifizierung durchzuführen.

Ich dachte mir, warum nicht und so standen an einem September Mittag rund 25 Gartenkundige vor meinem Gartentor. Nach der Begrüßung durch den Schulungsleiter und Leiter der Bayerischen Gartenakademie an der LWG Dr. Becker schwärmten die künftigen Zertifizierer mit Checklisten bewaffnet aus und ließen keine Ecke meines Garten ungeprüft.
Wer über 20 erfahrene Hobby- und Berufsgärtner mit seinem Naturgarten-Konzept überzeugen kann, hat sich das Zertifikat wohl redlich verdient ;)

Naturgarten-Links

Info-Seiten zum Naturgarten

Andere Naturgärten in Bayern

2 Gedanken zu „Naturgarten-Zertifikat: Der Freisinger Garten ist ein Garten für Mensch und Natur“

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