Im Winter ernten? – Buchempfehlung für ganzjährig frisches Gartengemüse

„Ernte mich im Winter“ zwischen Wintersalat und Wintergemüse

Der Garten hat ganzjährig geöffnet, auch der Gemüsegarten! Beim Wintergärtner steht dann neben dem Schneemann auch der lange Rosenkohl oder der Palmen ähnliche Grünkohl. Mit etwas Knowhow und Experimentierlust kann man aber noch viele andere Gemüse- und Salatsorten im Winter ernten.

Es macht einfach Spaß, aus einem auch einmal tief verschneiten Garten frische Gemüse und knackige Salate reinholen zu können. Wintergärtnern bedeutet aber auch ein Stück Freiheit.

Anstatt sich auf den Weg in den Supermarkt zu begeben, heißt es dann: Auf in den Garten! Zumal der Weg der Gemüse in den Regalen besonders im Winter um vieles länger ist: Einmal rund um den Erdball geht es für viele Sorten, bis sie auf unserem Teller landen.

Was kann ich im Winter ernten?

Im Winter ernten - Rosenkohl mit Schnee
Der Rosenkohl wartet auf die Ernte, tiefgefroren im Garten

Auch wenn es – wie bei mir – nicht für eine komplette Selbstversorgung reicht: eigenes Gemüse und selbst gezogenen Salat  auch im Winter ernten zu können, ist ein wichtiger Baustein in der Selbstversorgung.
Ich habe mich langsam über einige Jahre an das Wintergärtnern herangewagt und immer wieder etwas Neues ausprobiert.

Inzwischen ist Pastinake und Grünkohl sowie Zuckerhut, Feldsalat und Winterpostelein die „Standardbegrünung“ im winterlichen Gemüsegarten. Auch Rosenkohl und Schwarzkohl (Palmkohl) habe ich schon mit Erfolg als Winterkultur angebaut. Ich würde nicht mehr auf diese wunderbare frische Ergänzung der winterlichen Küche verzichten wollen!

Konnte den Feldsalat – aufdecken und ernten

Das eigene Wintergemüse schmecken nicht nur herausragend. Mit dem Anbau, Pflege und Ernte tun wir auch der Umwelt und uns selbst etwas Gutes. Denn Wintergärtnern bedeutet weniger Transportkilometer für Wintergemüse und mehr Zeit im Freien für uns. Ob im Gemüsegarten, auf dem Balkon oder der Terrasse – es ist möglich, das  ganze Jahr knackfrisches Gemüse griffbereit zu haben.

Folgen wir dazu dem Autor Wolfgang Palme, der sich und seinem städtischen Gemüse-Erlebnisgarten City Farm Augarten mitten in Wien folgendes Motto gegeben hat:

  • Den Frühling verlängern
  • Den Sommer genießen
  • Den Herbst nutzen
  • Den Winter nicht versäumen

Wintergärtnern – wie geht das?

Doppelseite aus dem Buch zur Pastinake im Winter ernten
Jedes der gelungenen Gemüseportraits hat eine eigene Doppelseite im Buch

Das Jahr eines Wintergärtners beginnt nicht erst im November, sondern bereits im frühen Frühling. Damit man auch wirklich im Winter ernten kann, braucht es vor allem eine gute Planung, viel Lust auf draußen und ein bisschen Gespür für Pflanzen – wobei letzteres mit der Erfahrung von selbst kommt.

Für das nötige Gartenwissen gibt es jetzt den pfiffigen Gartenratgeber: „Ernte mich im Winter“ von Wolfgang Palme. Seit über 10 Jahren erforscht er den Gemüseanbau im Winter und weiß, was funktioniert. Sein umfassendes KnowHow gibt er unter anderem an der Österreichischen Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Wien weiter.

Wann muss ich aussäen, wie pflege ich mein Beet, wie viel Frost vertragen meine Pflanzen?

Im Winter ernten -. Schneebedeckte Kohlpflanze
Der Braunkohl „Rote Palme“ ist eine bunte, hohe Variante des Grünkohls

All diesen Fragen widmet sich Wolfgang Palme nicht nur kompetent und fachkundig, sondern auch sehr persönlich und unterhaltsam. Der Autor versorgt den künftigen Wintergärtner mit allen nötigen Infos, um den Anbau für die kalte Jahreszeit zu starten und Salat, Radieschen, Karotten & Co. auch von November bis März zu ernten. Und das nicht etwas tröge oder staubtrocken sondern gewürzt mit einer ordentlichen Prise Humor.
So stellen sich auch bei ihm alle Gemüse und Salate höchstpersönlich vor und erzählen in der Ich-Perspektive von ihren Vorlieben, Freunden und Verwandten.

Zum Beispiel das Radieschen im Winter

  • Beispiel für einen „persönlichen“ Gemüse-Steckbrief

    Spitzname: Radieserl

  • Besondere Merkmale: Man kennt mich in rot. Aber meine Geschwister haben gelbe, weiße, rot-weiße Knollen und …
  • Verwandschaft: Ich stamme vom Rettich ab und bin …
  • Meine Heimat: Das weiß ich selbst nicht mehr so genau. Ich bin einfach überzeugter Europäer :)
  • Meine Freunde: Salat, Spinat und Mangold in Mischkultur und …
  • Mag ich: Ostern und Weihnachten – Frühling und Winter…
  • Mag ich gar nicht: Zu eng neben meine Kollegen gesät werden…
  • Dafür bin ich zu haben: Parties, Feste, Kinderbrotdosen …

Zum Buch „Ernte mich im Winter“

Screeshot Inhaltverzeichnis "Im Winter ernten"
Seite 1 des Inhaltsverzeichnis

Das Buch ist bibliophil gemacht und durchgehend reich mit schönen Fotografien bebildert. Hervorzuheben ist auch: Dieses Buch wurde klimapositiv hergestellt, cradle-to-cradle gedruckt und bleibt plastikfrei unverpackt (Cradle to Cradle ist der weltweit höchste ökologische Standard beim Drucken).

Das Buch macht Mut zum Experimentieren und Lust auf „Winter ernten“. Ein bisschen Erfahrung im konventionellen Sommer-Gärtnern sollte man meiner Meinung nach aber trotzdem mitbringen – alle Basics kann dieses eine Buch auch nicht erklären. Es konzentriert sich auf die Besonderheiten des Wintergärtners.

Inhaltlich gefällt mir das Buch sehr gut. Alle wichtigen Aspekte werden angesprochen. Der Stil ist angenehm persönlich und eher erzählend. Manchmal könnte er etwas gestraffter sein.

Nur mit Struktur und Aufbau des Buches bin ich persönlich nicht so zurecht gekommen. Bis auf den Teil mit den Pflanzenporträts verstecken sich die Informationen hinter nett formulieren, aber eher kryptischen Überschriften und sind in verschieden farbigen Seiten und Kästen verstreut  – unter Einsatz ausufernder Typographie.

Aus dem Inhalt:

  • Manche mögen’s kalt: Portraits von 30 winterharte Gemüsearten
  • Gespür für seine Gemüse bekommen: lernen, wie sich Wetter und Temperatur auswirken, wie man Pflanzen im Winter pflegt
  • Die vergessene Jahreszeit im Garten neu erleben – draußen Wintergrillen, Weihnachtssalat oder Schneemann mit selbst gezogener Karottennase
  • Egal, ob viel oder wenig Platz: Wintergemüse im Hochbeet, am Balkon, auf der Terrasse
  • Sich selbst und der Umwelt etwas Gutes tun: Das ganze Jahr nachhaltig anbauen und genießen, ohne aufwendiges Profizubehör oder Beheizen
  • Altes Wissen aufleben lassen, neue Techniken kennenlernen: Wie man das kaltgeliebte Gemüse vor zu frostigen Temperaturen schützt
  • Über die gefräßigen Mitbewerber
  • Bezugsquellen

Mein Top-Tipp im Buch ist der Butterkohl, der sich in den kalten Herbstnächten von grün nach leuchtend gelb verfärbt. Den werde ich für die nächste Saison im „Wintergarten“ einplanen :)

Links zu „Im Winter ernten“

Wintergemüse im Gartenblog:

8 Gedanken zu „Im Winter ernten? – Buchempfehlung für ganzjährig frisches Gartengemüse“

  1. Hallo Johann,

    ich habe das Buch jetzt auch. Ich finde es sehr informativ und schön aufgemacht (manchmal ist mir die Schrift zu wenig kontrastreich). Und es liest sich flüssig.

    Mir ist es vor einigen Jahren wie dem Autor W. Palme gegangen. Gemüse im Garten „vergessen“ und festgestellt, dass ihm der Winter nichts anhaben kann (zum Beispiel Karotten und Kohlrabi).

    Der Butterkohl leuchtet zur Zeit wieder herrlich gelb in unserem Gemüsebeet! Der macht auch optisch was her. Vom Blatt her ist er etwas zarter, als anderer Kopfkohl.

    Viele Grüße
    Sonja

    1. Hallo Sonja,

      schön, dich hier zu lesen :) Ja, auf den Butterkohl freue ich mich heuer auch – ist schon fest eingeplant.
      Welches Saatgut hast du genommen?
      Witzig, obwohl ich mich schon länger mit Winterkulturen beschäftige, hatte ich Kohlrabi nie auf dem Schirm – und just heuer hatte ich Probleme mit einem Rüsselkäfer, sodass sich Entwicklung des Superschmelz stark verzögert hat. Ich lies ihn einfach stehen und -voila! einfach gefroren ernten und auftauen lassen :)

      Wünsche dir ein erfolgreiches Gartenjahr 2020
      lg Johann

      1. Hallo Johann,

        unser Butterkohl heißt Goldkohl und ist die Sorte „Goldberg“ (das ist echt ein passender Name) von Dreschflegel.

        In meinem ersten Gartenjahr hatte ich geglaubt, der Kohlrabi wäre nach dem Winter hinüber. Da er im Frühjahr aber wieder ausgetrieben hatte und überhaupt nicht matschig war, habe ich ihn dann – experimentierfreudig wie ich bin – neben den Kompost gepflanzt. Er hat dann super geblüht. Das war eine tolle Nascherei für Insekten!

        Ich wünsche dir auch eine üppige Ernge

        Herzliche Grüße
        Sonja

    2. Hallo Sonja,

      ich hoffe, ich darf noch einmal bei dir anfragen, ohne dich zu nerven …:
      Ab wann hast du den Butterkohl gesät für die Winterernte?

      lg
      Johann

      1. Hallo Johann,

        ich habe den Goldkohl im April vorgezogen. Er braucht lange und bekommt erst in der kalten Jahreszeit einen festen Kopf. Wobei er nie so fest wird wie andere Krautköpfe.

        Ich warte mit dem Essen vom Goldkohl nicht bis er gelb wird, sondern schneide mir schon vorher Blätter ab.

        Herzliche Grüße
        Sonja

  2. Hallo Johann,

    Es ist schön auch mal einen männlichen Gartenblogger kennen zu lenrnen. :-)

    Auf meinem Fotoblog gibt es für Hobbyfotografen und Gartenfreunde zum einhähirgen Jubiläum eine Buchverlosung.

    Es wir das Buch „Handbuch Samengärtnerei Sorten erhalten. Vielfalt vermehren. Gemüse genißen. von Andrea Heistinger“ verlost. Die Teilnahmebedingeungen finden sich hier: https://deramateurphotograph.de/2019/12/14/verlosung-zum-einjaehrigen-bestehen-des-fotoblogs-der-amateurphotograph/

    LG Bernhard

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.