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Phänologischer Kalender – Gartenarbeit im Rhythmus der Natur

Phänologie als Jahreskreis mit bunten Feldern für die Jahreszeiten
Säen, pflanzen, pflegen mit dem Phänologischer Kalender im Rhythmus der Natur

Phänologische Kalender helfen, den richtigen Zeitpunkt für jede Gartenarbeit zu finden. Der herkömmliche Kalender mit zwölf Monaten und vier Jahreszeiten ist viel zu starr, um die verschiedenen Standorte der Gärten und unterschiedlichen Witterungsverläufe einzelner Jahre widerspiegeln zu können.

Gärtnern im Rhythmus der Natur sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, möchte man meinen. Aber Gärtner und Gärtnerinnen tricksen schon immer, um dem natürlichen Rhythmus ein Schnippchen zu schlagen. Anzucht am Fensterbrett oder gar unter dem LED-Licht, Frühbeet, Gewächshaus, womöglich beheizt … Vieles was im Garten Energie und Nerven kostet, könnte jedoch mit einer stärkeren Hinwendung zum Rhythmus der Natur ressourcenschonender, kostengünstiger und erfolgssicherer umgesetzt werden.

Phänologie – was ist das?

Beispielbild für den Erstfrühling im phänologischen Kalender

Die ♂ Haselblüte zeigt im phänologischen Kalender den Vorfrühling an – hier am 23. Januar 2023

Ganz allgemein ist Phänologie die Lehre von den Erscheinungen. Im engeren Sinne versteht man unter Phänologie die Lehre vom Einfluss von Witterung und Klima auf die jahreszeitliche Entwicklung von Pflanzen und Tieren. Die Phänologie orientiert sich nicht an feste Daten im Lauf eines Jahres wie dem kalendarischen Sommerbeginn am 21. Juni oder dem meteorologischen Sommeranfang am 1. Juni. Der phänologischer Kalender orientiert sich an den phänologischen Jahreszeiten und die sind ausschließlich durch das jährlich unterschiedliche Blühen, Fruchten und Wachsen von Pflanzen bestimmt. Ausschlaggebend ist dabei der Beginn charakteristischer Vegetationsstadien wie Blattentfaltung, Blühbeginn oder Laubverfärbung. Dies sind die die sogenannten phänologischen Phasen der Pflanzen.

Warum ist Phänologie so wichtig?

Für die Klimaforschung

Die Erfassung und Erforschung von phänologischer Erscheinungen, wie etwa den Beginn und die Ausprägung des jährlichen Laubfalls, lassen Rückschlüsse auf langfristige Veränderungen des Klimas und die Auswirkungen des Klimawandels zu.

Für Gärtner und Bauern

Entwicklung und Wachstum von Pflanzen folgt zwar im Groben dem kalendarischen Jahreslauf.  Aufgrund geographischer und regionaler Unterschiede bedingt – und zunehmend auch durch den Menschen gemachten Klimawandel – ist Frühling nicht gleich Frühling: Da liegt im März im Alpenvorland noch Schnee, während im Rheintal schon die Forsythie blüht. Gartenempfehlungen streng nach Kalendermonaten und Datum können vor dem Hintergrund dieser natürlichen und anthropogenen klimatischen Verschiebungen deshalb teils erheblich daneben liegen. Bemerkbar wird das ja schon bei den sogenannten Eisheiligen – die kommen ja auch nicht, wie´s im Kalender steht.

Wie sind die phänologischen Jahreszeiten?

Liste der Phänologische Jahreszeiten im Phänologischen Kalender

Phänologische Jahreszeiten und eine Auswahl der zugehörigen Zeigerpflanzen

Mehr Sinn macht es da, sich am phänologischer Kalender und den phänologischen Phasen der Natur zu orientieren – den phänologischen Jahreszeiten. Wenn beispielsweise die Hasel blüht, ist die richtige Zeit für den Baumschnitt im Obstgarten. Und die Hasel blüht natürlich nicht jedes Jahr pünktlich mit dem meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März, sondern je nach Witterung, Region und Lage zwei Wochen vorher oder drei Wochen später – jedes Jahr an einem anderen Datum.
Anhand solcher Zeigerpflanzen wie der Hasel werden die phänologische Jahreszeiten definiert. Statt vier kalendarischer Jahreszeiten mit zwölf Monaten gibt es im phänologischer Kalender 10 Jahreszeiten, an denen Gärtner ihr Handeln ausrichten können.

  • Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling
  • Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer
  • Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst
  • Winter

Phänologischer Kalender – Gartenarbeit im Rhythmus der Natur

Neben der Liebe zur Natur und etwas Garten-Knowhow ist vor allem die Frage des richtigen Zeitpunkts für den Erfolg im Garten wichtig – den grünen Daumen gibt es nicht. Gewusst WIE UND WANN, lautet die Devise! Klassische Gartenratgeber orientieren sich dafür nach den Kalendermonaten oder den vier Jahreszeiten. Dabei kann das passende Timing für bestimmte Gartenarbeiten von Region zu Region aus meteorologischen und kleinklimatischen Gründen sehr unterschiedlich sein.

Der wahre Rhythmus der Natur richtet sich nämlich nicht nach dem Kalender und er verändert sich. Ein Phänomen, das sich im Klimawandel zunehmend verstärken wird. Denn „wie alles in der Natur ist das Geschehen im Garten der Zeit und damit dem Klima unterworfen. Die Entwicklung der Vegetation richtet sich nicht nach dem Monat, den das Kalenderblatt anzeigt, sondern nach dem im jeweiligen Jahr auftretenden Witterungsverlauf. Der phänologische Kalender orientiert sich somit an Anzeichen, die deutlich machen, wie weit sich die Natur bereits entwickelt hat. Und diese Anzeichen zeigen dann den Beginn der zehn »phänologischen Jahreszeiten« an“ (Auszug aus dem „Quickfinder Gartenjahr„, siehe Buchempfehlung unten)

So gibt es im phänologischen Kalender beispielsweise drei verschiedene „Frühlinge“, die unterschiedliche Bedingungen für Pflanzen und Gartenarbeiten anzeigen. Blühen Haselnuss und Schneeglöckchen beginnt der der Vorfrühling, die gelben Wolken der Forsythie zeigen den Erstfrühling an und die Apfelblüte den Vollfrühling.

Der Erstfrühling ist die richtige Zeit für die Pflanzung von Obstbäumen oder die Aussaat im Freien von robusten Gemüse- und Kräuterarten wie etwa Spinat, Kohlrabi, Möhren oder Zuckerschoten. Später blühen dann Apfelbaum und Flieder und zeigen den Vollfrühling an. Das ist der Zeitpunkt, an dem die vorgezogenen Fruchtgemüse wie Auberginen, Tomaten und Gurken in den Garten ausgepflanzt werden können.

Veränderungen im phänologischen Kalender

Phänologische Jahreszeiten – der Winter wird im langjährigen Durchschnitt kürzer, der Frühling beginnt früher (Daten DWD)

Wie sehr sich der Beginn der phänologischen Jahreszeiten Jahr für Jahr verändert, zeigen die Daten des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Das derzeitige langjährige Mittel des Beginns der Haselblüte als Zeigerpflanze für das Ende des Winters und Beginn des Erstfrühlings liegt derzeit beim 12. Februar. Das Mittel im Zeitraum von 1961 bis 1990 war das der 03. März! Und die Tendenz ist ungebrochen. Inzwischen beginnt die Haselblüte schon Ende Januar und der Herbst mit der Fruchtreife des Holunders zwei Wochen später als noch vor vierzig Jahren.

Welche gärtnerische Betriebsarbeiten nun in welcher der zehn phänologischen Jahreszeiten am sinnvollsten zu erledigen sind, dazu gibt es inzwischen zunehmend Informationsmöglichkeiten im Internet oder als Buch.

Quickfinder Gartenjahr – der phänologische Gartenkalender

Inhaltübersicht

Der praktische Gartenhelfer erklärt genau, welche phänologische Jahreszeit für bestimmte Arbeiten im Garten am besten geeignet ist, wann etwas erledigt sein müsste müssen und welche häufige Pflanzen diese anzeigen. Neben den rein kalendarischen Hinweisen beantwortet der „Quickfinder Gartenjahr“ auch die häufigsten Fragen rund ums Gärtnern – zum Beispiel das Geheimnis, warum manchmal die Petersilie nicht keimen und gedeihen mag!

Der phänologischer Kalender „Quickfinder Gartenjahr: Der beste Zeitpunkt für jede Gartenarbeit“ in der Reihe „Garten Extra“ des Verlags Gräfe und Unzer GU – ein sehr gelungener und empfehlenswerter Gartenratgeber!

Kompetent und übersichtlich

Ob säen, pflanzen, vermehren oder schneiden: Übersichtlich strukturiert präsentiert der „Quickfinder Gartenjahr“ auf einen Blick, welche Gartenarbeiten übers Jahr hinweg im Zier- und Küchengarten anstehen. Anschauliche Bildfolgen, Fotos und Grafiken ergänzen die umfangreichen Informationen rund um die Gartenarbeit im Jahreslauf. Häufig gestellte Gartenfragen (FAQ) und bewährte Tipps und Tricks aus der Praxis erfahrener Gärtner*innen runden das Info-Angebot ab. Komplementiert wir der gelungene Jahresplaner mit einem umfangreichen Serviceteil mit Glossar, Sortentabellen sowie einen Übersichtskalender mit Blüte-, Aussaat-, Pflanz- und Erntezeiten.

Der phänologische Kalender unterteilt das Jahr anhand von Zeigerpflanzen in 10 Jahreszeiten. Sehr praktisch: die einzelnen Jahreszeiten sind über ein farblich codiertes Schnellgriffsystem einfach zu finden und aufzuschlagen. Durch die benutzerfreundliche Aufmachung muss man nicht lange suchen, sondern findet schnell alle wichtigen Antworten zum Gärtnern im Rhythmus der Natur.
Über den Quickfinder – eine Art Schlagwortregister – zu Beginn des Buches findet man anderseits über die geplante Tätigkeit direkt zu den jahreszeitlichen Infos.

Autor Andreas Barlage

Diplom-Agraringenieur Andreas Barlage studierte Gartenbau an der Universität Hannover und arbeitet als freiberuflicher Gartenjournalist, Buchautor, Gartenplaner und Referent. Ihn zeichnet sein umfassendes Pflanzenwissen und vielfältige Erfahrungen in der gärtnerischen Praxis aus.  Fünf seiner Bücher wurden bisher prämiert. Der Titel „Quickfinder Gartenjahr“, bei dem er als Co-Autor mitwirkte, wurde 2017 von der MEIN SCHÖNER GARTEN-Leserjury mit dem „Deutschen Gartenbuchpreis“ ausgezeichnet. Andreas Barlage ist auch auf Twitter zu finden.

Weiterführende Infos zur Phänologie im Garten

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