Die Stinkende Nieswurz – eine Bereicherung für jeden Garten

Die Stinkende Nieswurz zählt zu den Halbsträuchern und wird bis zu 60 cm hoch

Die Stinkende Nieswurz (Helleborus foetidus) ist eine enge Verwandte der Christrose und gehört mit den Lenzrosen als Vertreter der Gattung Nieswurz (Helleborus) zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).  Ganz anders als ihr Name vermuten lässt, ist die robuste Stinkende Nieswurz ein so wunderbarer wie wertvoller Mitbewohner des Naturgartens.

Die Stinkende Nieswurz ist mit ihren verschieden farbigen immergrünen Laub- und Hochblättern das ganze Jahr eine Zierde m Garten. Sie blüht immer schon sehr früh im Januar und ist dann bereit für die ersten Nektarhungrigen. Aber das ist nicht der einzige Service an die Garten bewohnende Insektenwelt! 

Warum heißt die Stinkende Nieswurz so?

Der deutsche Name „Nieswurz “ beruht tatsächlich auf der Wirkung der schleimhautreizenden Inhaltsstoffe des Wurzel. Schon geringste Mengen des eigentlich giftigen, pulverisierten Rizoms reizen zum heftigen Niesen. Früher war das Pulver deshalb auch Bestandteil von Schnupftabaken oder Niespulvern. Heute ist die Verwendung von Helleborus foetidus für diese Zwecke wegen der Gefahr von Vergiftungen verboten. Die Helleborus-Arten gehören zu unseren gefährlichsten Giftpflanzen und enthalten unter anderem starke Herzgifte.

Der unangenehme Duft der Stinkenden Nieswurz steckt wie bei vielen anderen Pflanzen auch in den Blättern und Wurzeln, nicht aber in den zarten Blüten. Der große Staudenzüchter, Garten-Schriftsteller und Garten-Philosoph Karl Foerster war mit dem despektierlichen deutschen Namen unzufrieden und suchte nach einem passenderen. Er nannte sie wegen der schönen, fein gefiederten Blätter inoffiziell „Palmblatt-Nieswurz“.

Die Gattung Helleborus wurde vom berühmten Botaniker Carl von Linné  benannt und beschrieben. Die Herkunft des wissenschaftlichen Namens „Helleborus“ ist nicht sicher geklärt. Wahrscheinlich leitet sich der Name aus dem Griechischen ab, von hellein = töten und bora = Speise, was zur Giftigkeit der Pflanze passen würde.

Trickreich: Warme Blüten und Bonbon-Samen

Blüten der Stinkende Nieswurz - Nahaufnahme

Die kleinen, aber zahlreichen aparten Blüten der Stinkenden Nieswurz

Die Blüten dieser sehr früh blühenden Nieswurz-Art erscheinen bereits im Herbst und öffnen sich ab Januar bis zum Beginn des Frühjahrs. Die robuste und gut frostharte Pflanze produziert Büschel becherförmiger hellgrüner Blüten. Bis zu hundert Daumennagel große, nickende Einzelblüten kann eine einzelne Nieswurz tragen. Diese zieren mit zunehmendem Alter feine, bordeauxrote Ränder. Im Gegensatz zu den Blättern verströmen die Blüten einen zarten, angenehmen Duft.

Der Nektar der Stinkenden Nieswurz steht vor allem frühen Hummeln und Pelzbienen zur Verfügung. Besonders zeitig im Jahr fliegen die Königinnen der Erdhummel. Diese werden durch einen genialen Trick der Nieswurz für ihre Bestäubungsarbeit angezogen: Beheizte Blüten! Symbiotische Hefepilze vergären den zuckerhaltigen Nektar der Nieswurzblüte. Sie erzeugen mit dieser Bioheizung in der glockenförmigen Blüte Temperaturen, die bis zu 6 °C über der Umgebungtemperaturen liegen.

Doch nicht nur ihre beheizten Blüten sind für die Insektenwelt des Gartens ein Gewinn, auch die Ameisen freuen sich über die Stinkende Nieswurz. Denn Helleborus foeditus setzt bei der Verbreitung ihrer Samen mit besonderen Anreizen auf die kleinen Staatenbildner. Das ist eine Vermehrungstrategie, die als Myrmekochorie bezeichnet wird, die Samenverbreitung durch Ameisen. Um die Ameisen für diese Arbeit zu motivieren, stattet die Stinkende Nieswurz ihre die Samen mit einem sogenannten Elaiosom aus. Das ist ein ein Anhängsel am eigentlichen Samen, das mit Zucker, Fetten und Vitamin C gefüllt ist und für Ameisen ein attraktives Nahrungspaket darstellt.

Die Stinkende Nieswurz  im Garten

Die im Südwesten Europas beheimatete Pflanze erreicht in Deutschland den östlichen Rand ihres natürlichen Verbreitungsgebiets. Sie ist mittlerweile eine häufige Zierpflanze in unseren Gärten, von wo aus sie auch gerne verwildert. Viele der Vorkommen in freier Natur, zum Beispiel im südlichen Bayern, lassen sich darauf zurückführen.
Beliebt sind alle Helleborus-Arten wegen ihrer frühen und oft auffälligen Blüte im Winter und Frühjahr, die Nieswurz jedoch bezaubert auch ganzjährig wegen der kontrastreichen wintergrünen Laub- und Hochblätter.

Die Stinkende Nieswurz – oder besser, aber nicht offiziell: Palmblatt-Nieswurz – ist im Garten eine dankbare und genügsame Pflanze: immergrün, robust und relativ frosthart.  Sie setzt mit ihren zarten Blüten und dem immergrünen Laub in zwei verschiedenen Grüntönen das ganze Jahr über unaufdringliche Akzente im Garten – egal ob im eher sonnigen Staudenbeet oder im lichten Schatten von Bäumen und Sträuchern. Dort fühlt sich Helleborus foetidus allerdings auch am wohlsten.

Helleborus foetidus vermehrt sich an einem passenden und ungestörten Standort willig über Selbstaussaat. Wer das nicht will, muss die Samenkapseln  vor dem Aufspringen im Sommer entfernen.
Bedenken sollte man aber dabei: Die Nieswurz Helleborus foetidus  wird als relativ kurzlebige Pflanze beschrieben – mehrjährig zwar, aber keine dauerhafte Staude. Als stammbildende Helleborus-Art soll sie selten älter als zwei bis vier Jahre werden. Dazu kann ich aber noch nicht viel sagen. Meine Erfahrung dazu:
Blütenstämmchen sterben zwar nach der Blüte ab, es treiben dann aber wieder neue aus, die Blattrosette bleibt erhalten. Inzwischen hat sie sich bei mir auch schon zweimal ausgesät und so bleibt die Nieswurz meinem Naturgarten auf jeden Fall erhalten

Die Nieswurz in Geschichte und Sagen

Lange Zeit hatte die Stinkende Nieswurz als Heilpflanze nicht nur in der Volksmedizin ihren Platz. „Helleborosus“ bedeutet „wahnsinnig“ – bis in das 18. Jahrhundert war das durch Nieswurz-Drogen ausgelöste Niesen ein wichtiges Heilmittel der Psychiatrie. Man meinte wohl, es mache „den Kopf frei“! Schon in der Antike war die sprichwörtliche Empfehlung, doch etwas „Helleborus“ einzunehmen, nicht besonders freundlich gemeint. Sogar der antike Held Herkules soll durch Nieswurz vom Wahnsinn geheilt worden sein.

Auch zur biochemischen Kriegsführung wurden die Nieswurze missbraucht. So wird berichtet, dass der athenische Staatsmann unsd Stratege Solon um das Jahr 600 v. Chr. die einzige Wasserversorgung der Stadt Kirrha mit Helleborus-Wurzeln vergiftete und so die Stadtbewohner zur Kapitulation zwang.

Aber nicht nur in der Medizin und in der Kriegskunst spielen die Helleborus-Arten eine Rolle, auch in Magie und Märchen haben sie ihren festen Platz. Wie zum Beispiel im Märchen „Zwergnase“ von Wilhelm Hauff: Der verwunschene Held Jakob und die ebenfalls verzauberte Gans Mini finden gemeinsam das Zauberkraut Nieswurz und können sich damit wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurückverwandeln. Oder auch bei Harry Potter, der im Zaubertränkeunterricht der fünften Klasse lernt, dass zwei Tropfen Nieswurz-Sirup ein unverzichtbarer Bestandteil des „Trunks des Friedens“ sind.

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