Phänologie im Garten – gärtnern im Rhythmus der Natur

Phänologie im Garten – säen, pflanzen, pflegen im Rhythmus der Natur

Gärtnern im Rhythmus der Natur – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, möchte man meinen. Aber wir Gärtner und Gärtnerinnen tricksen schon immer, um dem natürlichen Rhythmus ein Schnippchen zu schlagen: Anzucht am Fensterbrett oder gar unter dem LED-Licht, Frühbeet, Gewächshaus, womöglich beheizt … Eine Hinwendung zum Rhythmus der Natur im Garten ist also gar nicht so abwegig.
Aber das ist nicht das Thema. Es geht um Phänologie im Garten. Der wahre Rhythmus der Natur richtet sich nämlich nicht nach dem Kalender und verändert sich. Ein Phänomen, das sich im Klimawandel zunehmend verstärken wird.

Phänologie im Garten – was ist das?

Phänologie ist ganz allgemein die Lehre von den Erscheinungen. Im engeren Sinne ist es die Lehre vom Einfluss von Witterung und Klima auf die jahreszeitliche Entwicklung von Pflanzen und Tieren. Entscheidend dabei ist der Beginn charakteristischer Vegetationsstadien wie Blattentfaltung, Blühbeginn oder Laubverfärbung – die sogenannten phänologischen Phasen der Pflanzen.
Entwicklung und Wachstum von Pflanzen folgt natürlich im Groben dem kalendarischen Jahreslauf.  Aufgrund geographischer und regionaler Unterschiede und zunehmend auch durch den Klimawandel bedingt ist Frühling nicht gleich Frühling: Da liegt im März im Alpenvorland noch Schnee, während im Rheintal schon die Forsythie blüht.

Gartenempfehlungen streng nach Kalendermonaten können vor dem Hintergrund dieser natürlichen und anthropogenen klimatischen Verschiebungen deshalb teils erheblich daneben liegen. Wir merken das ja schon bei den sogenannten Eisheiligen – die kommen ja auch nicht, wie´s im Kalender steht.

Phänologische Jahreszeiten

Phänologische Jahreszeiten und eine Auswahl der zugehörigen Zeigerpflanzen

Mehr Sinn macht es da, sich an den phänologischen Phasen der Natur zu orientieren. Wenn beispielsweise die Hasel blüht, ist die richtige Zeit für den Baumschnitt im Obstgarten. Und die Hasel blüht natürlich nicht pünktlich mit dem meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März, sondern je nach Witterung, Region und Lage zwei Wochen vorher oder drei Wochen später.

Anhand solcher Zeigerpflanzen wie der Hasel werden phänologische Jahreszeiten definiert, die sich als phänologische Uhr darstellen lassen. Und statt 4 gibt es unter phänologischen Gesichtspunkten 10 Jahreszeiten, an denen Gärtner ihr Handeln ausrichten können.

Veränderungen deutlich

Phänologische Jahreszeiten – der Winter wird im langjährigen Durchschnitt kürzer, der Frühling beginnt früher (Daten DWD)

Nach den Daten des Deutschen Wetterdienstes verschieben sich die phänologischen Phasen wie der Blüh- oder Reifebeginn der Zeigerpflanzen. Aktuell bedeutet das: Der phänologische Frühling – angezeigt durch die Blüte von Hasel und Schneeglöckchen – beginnt durchschnittlich zwei Wochen früher, als nicht vor vierzig Jahren, der Herbst mit der Fruchtreife des Holunder zwei Wochen später. Das ist für das gärtnerische Handeln schon wichtig, deshalb spielt Phänologie im Garten eine wichtige Rolle.
Konkret kann das natürlich witterungsbedingt jedes Jahr anders sein. Aber da die phänologische Gärtnerin, der phänologische Gärtner ja nicht mehr nur nach dem Kalender, sondern auch nach den untrüglichen Zeichen der Natur sät, pflanzt und pflegt, ist es dann auch wieder richtig.

Wie sehr sich der Beginn der phänologischen Jahreszeiten Jahr für Jahr verändert, zeigen die Daten des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Das derzeitige langjährige Mittel des Beginns der Haselblüte als Zeigerpflanze für das Ende des Winters und Beginn des Erstfrühlings liegt derzeit beim 12. Februar. Das Mittel im Zeitraum von 1961 bis 1990 war das der 03. März! Und die Tendenz ist ungebrochen. Inzwischen beginnt die Haselblüte schon Ende Januar.

Welche gärtnerische Betriebsarbeiten nun in welcher der zehn phänologischen Jahreszeiten am sinnvollsten zu erledigen sind, dazu gibt es inzwischen zunehmend Informationsmöglichkeiten im Internet oder als Buch. (Links siehe unten).

Buchvorstellung: Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur

Cover des Buchs über Phänologie im Garten
Das Buch: Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur

Eines der Bücher zur Phänologie im Garten habe ich mir angeschaut:
„Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur – Ein verlässlicher Praxisbegleiter durch das phänologische Gartenjahr“. Danke an den Verlag für die Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplars.

Das Buch mit seinen rund 180 Seiten ist wertig gemacht mit einem festen, kartonierten Einband und vielen bunten Bildern. Ob das Buch mit der phänologischen Jahreszeiten-Uhr hält, was es verspricht?

Im Rhythmus der Natur?

Viele Infohappen, wenig Phänologie…

Ich habe kein Fachbuch zur Phänologie erwartet, aber eine knappe Einführung ohne jede Grafik reicht nicht aus, um Gärtner an das wichtige Thema heranzuführen. Aber auch sonst findet sich das spezifische Thema – Phänologie im Garten – eher randständig behandelt. Immer wieder werden Gartentipps den Monaten des konventionellen Kalenders zugeordnet, wie zum Beispiel die Behandlung von Hecken im Spätsommer (siehe Bild). Da heißt es: „Im August können Hecken noch einmal in Form gebracht werden.“ Der August ist jedoch phänologisch meist ein Drittel Spätsommer und zwei Drittel Hochsommer und manchmal sogar ein bisschen auch Frühsommer – wann also ist aus Sicht der Phänologie der passende Schnittzeitpunkt? Und wann ist jetzt wieder Spätsommer …?

Auch wenn über das Buch hinweg immer wieder lose eingestreut hilfreiche phänologische Gartentipps zu finden sind, so gehen die jedoch in der überwiegenden Menge der allgemein konventionellen Gartenhinweisen unter. Sehr konventionellen Hinweisen, mit oft naturfernen Gartenpraktiken wie die Verwendung von Blaukorn, Schneckenkorn und Rasenspritzmittel.  Wenn dann, wie auf Seite 50, von der „Vernichtung“ (Zitat) von Maulwurfsgrillen zu lesen ist, stellen sich nur hartgesotten Reinrasenfetischisten nicht die Haare auf. Vereinzelte Verweise auf bienenunschädliche Mittel, Nützlinge und Brennnesseljauche wirken da eher wie ein Feigenblatt.

Erfolgreich Gärtnern ?

Wenig „Rhythmus der Natur“ – und wie ist es mit dem „Erfolgreich Gärtnern“ aus dem Titel? Die an sich zahlreichen, wenn auch unstrukturiert wirkenden Tipps sind äußerst knapp gehalten und eher bemüht einzelnen Monaten und Jahreszeiten zugeordnet.  Mit dabei sind auch umfangreiche Infos, deren Nutzen sich mir nicht erschließt. In einem Gartenbuch, das sich dem außergewöhnlichen Thema „Phänologie im Garten“ widmet, erwarte ich keine Bekämpfungshinweise zum Gefurchten Dickmaulrüssler oder Giftpflanzen im Garten (siehe Bild oben).
Dieser Platz wäre für eine breitere Einführung und bessere Visualisierung von „Was ist Phänologie und warum ist sie für mich als Gärtner wichtig?“ besser verwendet gewesen. Platz wird auch an große, oft thematisch wenig aussagekräftige Blumenbilder verschwendet, fast, als wolle man damit das Buch auffüllen. Gleichzeitig wirkt aber das ganze Buch so gedrängt, dass sich dem Leser kein Haltepunkt für die Augen bietet. Eine Seite ist wie die andere, mit wenig Weißraum und unauffälligen Zwischenüberschriften.

Das ganze Buch wirkt unausgegoren, fast so, als hätte der Verlag einen Gärtnermeister beauftragt, zum trendigen Thema Phänologie auf die Schnelle etwas zusammenzustellen.
Das ist aber nur meine persönliche Meinung, andere sehen das anders.
Der Gartenblog von GartenGnom zeigt sich in seiner Buchvorstellung: Erfolgreich Gärtnern im Rhythmus der Natur durchaus angetan.

Weiterführende Infos zur Phänologie im Garten

 

 

 

 

 

 

 

3 Gedanken zu „Phänologie im Garten – gärtnern im Rhythmus der Natur“

  1. Guten Morgen, wie bekomme ich dieses Buch in die Schweiz bitte zugesandt ? Das muss ich haben.
    Mit lieben Grüssen und Dank
    Margit Schumacher

      1. Danke für deine schnelle Antwort. Versuche es über Amazon! Wünsche dir viel Erfolg. Kann man dich auf Facebook abonnieren? Hast du da eine Seite? Herzliches Servus aus der Schweiz. Margit 70☘️Christrosen und Edelweiss sind mit Rosen meine Lieblingsblumen, Servus
        Link
        margitschumacher@bluewin.ch

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