Interview mit „Kraut und Garten“ – der Garten des Gartenbloggers

Im Interview: Gärtner und Gartenblogger Josef Beerbaum © J. Beermann

„Der Garten gibt mir eine Entschleunigung vom Alltag. Die Zeit dreht hier einfach anders. Er bietet genug Raum und verschiedene Ecken, um alles mal ausprobieren zu können. Darüber bin ich froh.“

Neugierde, Gelassenheit und Dankbarkeit – das hat mich beeindruckt in unserem Gespräch über den Gartenblog-Zaun hinweg. Und dieser Dreiklang ist immer auch spürbar in seinem besonderen Blick auf …
… genau:  Kraut und Garten.

Dies ist Teil 2 des Interviews mit dem Gartenblogger Josef Beermann.
Teil 1: Über das Bloggen als Gärtner

Der Garten des Bloggers

Stelle deinen Garten kurz vor, was ist das Besondere an deinem Garten?

Behutsam und mit Geschick wird die alte Stalltüre erneuert – Das Schwedenrot passt perfekt! © J. Beermann

Also zum Ort des Geschehens, meinem Garten. Mein Garten hat eine lange Geschichte. Das Haus, in dem ich lebe wurde 1927 erbaut, hat also schon ein paar Jahre gesehen. Früher war es mal ein Nutzgarten, der die ganze Familie ernährt hat.
Mitten drin steht ein alter Taubenstall, in dem früher Brieftauben gezüchtet wurden. Auch einige Pflanzen sind schon sehr alt. Eine lange Hecke, die das Grundstück säumt, ist z. B. über 50 Jahre alt.
Ausgemessen habe ich den Garten noch nicht, denke aber er ist schon recht groß. Groß genug damit immer was zu tun ist, klein genug um es auch zu schaffen.

Ein immer wiederkehrender Berührungspunkt, ist die Geschichte des Gartens. Beim Buddeln entdecke ich schon mal Spuren der Vergangenheit, ziemlich aufregend (siehe dazu auch: Gartenboden Hortisol – Boden des Jahres 2017). Hier eine alte Beet-Einfassung, da ein alter Weg. Sich dann vorzustellen, wie es hier mal ausgesehen hat ist spannend.

Mein Garten bietet genug Raum und verschiedene Ecken, um alles mal ausprobieren zu können. Für mich ist der Garten jeden Tag ein Stück Urlaub. Besonders mag ich die Kräuterecke und mein Hochbeet. Hier kann ich Gemüse anbauen, na ja, es zumindest probieren. Auf Tomaten aus dem Garten möchte ich jedenfalls nicht mehr verzichten.

Woher kommt deine Leidenschaft für das Gärtnern?

Ich bin mit meinen beiden Brüdern in einer tollen Umgebung, direkt am Waldrand groß geworden. Wir hatten eine riesige Blumenwiese vor der Tür, den Wald und eben unseren Garten. Pflaumen, Kirschen, Mirabellen, ein riesiger Gemüsegarten mit Gewächshaus waren Teil unseres Gartens. Ich glaube, in dieser Zeit ist meine Leidenschaft für Garten und Natur geprägt worden. Mein Großvater hat mich immer bei der Gartenarbeit helfen lassen. Heute gibt der Garten mir eine Entschleunigung vom Alltag. Die Zeit dreht hier einfach anders. Wenn ich zwei Stunden in der Erde gewühlt habe sind das zwei wertvolle Stunden, die würde ich vor dem Fernseher nicht erfahren. All die kleinen Wunder, die man entdecken kann. All die Schönheiten, die es zu bestaunen gibt. Das fasziniert mich jeden Tag.

Wie lange pflegst Du deinen Garten schon? Wie hast Du ihn übernommen?

Ich wohne jetzt seit 6 Jahren hier. Den Garten habe ich in üblicher Machart vorgefunden. Alles getrimmt und pflegeleicht optimiert. Es hat etwas gedauert, wilde Ecken zu etablieren und meinen eigenen Charakter einzubringen. Es gab keine Obstbäume, alles war sehr akkurat. Einerseits. Andererseits war der Taubenstall über 27 Jahre mit Efeu überwachsen und drohte kaputt zu gehen, da sich die Pflanze bereits ins Innere vorgearbeitet hatte. Die alten Steinplatten waren unter einer gewachsenen Bodendecke versteckt. Es gab also genug zu tun und das wird sich wohl auch nicht ändern. Darüber bin ich froh.

Wo ist dein Schwerpunkt: Gemüse oder Blumen?

Einen richtigen Schwerpunkt habe ich nicht. Mit einem Apfelbaum, einer Aprikose und einem Walnussbaum, meinem Hochbeet, den Stachelbeeren und Erdbeeren habe ich genug Möglichkeiten etwas zu ernten, Marmelade einzukochen oder Eingemachtes für den Winter vorzubereiten. Aber auch die Blumen machen mir viel Freude. Hier probiere ich immer mal was anderes aus. Auswahl gibt es ja genug. Erfahrungen mit verschiedenen Gemüsen habe ich auch schon gesammelt.

Zudem liebe ich es, die Insekten, Vögel und Kleintiere im Garten zu beobachten. Nach und nach versuche ich, kleine Habitate zu schaffen, um noch mehr Leben einzuladen.

Wie viel Quadratmeter nutzt du im Gemüsegarten und reicht es schon für die Selbstversorgung?

Für eine echte Selbstversorgung reicht es nicht. Mein Hochbeet hat etwa zwei Quadratmeter. Hier wachsen vor allem Tomaten. Dann kommen zahlreiche Kübel dazu, in denen ich Gurken oder Zucchini anbaue. Zurzeit noch mit mäßigem Erfolg. Allerdings lasse ich auch den Schnecken Gelegenheit und finde es nicht schlimm, wenn die anderen Gartenbewohner satt werden. Ich finde aber nach und nach heraus, was funktioniert und was nicht. So wird die Ausbeute teils besser. Es reicht mir vollends, wenn ich im Sommer frisch aus dem Garten essen kann und vielleicht das ein oder andere mit in den Winter nehmen darf.

Tomaten sind für mich ganz klar ein Muss, Kohl werde ich erst mal nicht mehr probieren. Für meine Gurken habe ich schon ein Mini-Hochbeet gebaut, denn die sind so lecker, dass ich nächstes Jahr gerne mehr davon hätte. Über Bohnen habe ich auch schon nachgedacht. Mal sehen, für was ich mich entscheide.

Wie informierst du dich über Gartenthemen und holst du deine Anregungen her?

Viele Anregungen finde ich zum Beispiel auf Twitter. Hier finden sich viele Gleichgesinnte, die tolle Bilder posten und über neue Blog-Beiträge informieren.
Auch Bücher kaufe ich zum Thema, dabei sind es weniger Fachbücher, mehr Bücher, die über Erfahrungen berichten. So finde ich den Autor Dave Goulson toll, dessen Begeisterung für alles, was wächst und krabbelt, ansteckt. Ein direkter Austausch mit Freunden und Bekannten findet natürlich auch statt. Hier werden nicht nur Infos, sondern auch Pflanzen und Samen getauscht. Es ist sehr spannend, wie verschieden sich Pflanzen gleicher Samenherkunft entwickeln können.

Welche Tipps würdest du einem Gartenstarter geben?

Einfach probieren. Ich finde man sieht, ob es einer Pflanze gut geht oder nicht. Und wenn es mal nicht gelingt, dann probiert man es eben noch mal, oder etwas anderes. Man sollte sich nicht einschüchtern, lassen wenn mal etwas nicht gelingt. Gärtnern heißt für mich einen Platz zu schaffen, an dem man sich wohlfühlt, der einem gefällt, der Kraft und bestenfalls noch etwas zu essen schenkt.

Ich finde es viel wichtiger sich die Zeit zu nehmen sich alles anzusehen, zu entdecken und zu beobachten, als den größtmöglichen Ertrag aus etwas zu holen. Die wenigsten sind, denke ich, auf das Gemüse aus dem Garten angewiesen. Eine gute Voraussetzung einfach zu probieren. Und jeder Apfel, der im eigenen Garten wächst, muss nicht mehr im Supermarkt gekauft werden.

(Ende Teil Zwei des Interviews.
Link zum Teil 1: Über das Bloggen als Gärtner)

Lieber Josef, vielen Dank für die spannende Führung durch deinen Garten!
Ich freue mich sehr, dass ich dich und deine Garten&Blog-Philosophie durch die beiden Interviews näher kennenlernen konnte. Wir lesen uns! Und vielleicht treffen wir uns ja auch mal im Reallife, zum Beispiel bei einem Gartenblogger-Treffen :)

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