Unkraut bestimmen im Garten: Wird das was oder kann das weg?

Cover mit kleinen Pflanzen und weißer Schrift
Hilfe beim Unkraut bestimmen (Bei- und Wildkräuter, Selbstaussamer)

Heuer musste ich meinen Garten ab Anfang Mai für zwei Wochen alleine lassen. Trotz Frost ist alles gut gegangen. Nur der Blick in das Pastinaken-Beet mit Spinat als Zwischenkultur ist etwas ernüchternd:
Alles ist wunderbar grün, viele unterschiedliche Pflänzchen drängen ans Licht – nur was davon sind meine Pastinaken?
Gesätes Gemüse erkennen und gleichzeitig aufgegangenes Unkraut bestimmen und andere Selbstaussamer ist in diesem jungen Stadium besonders knifflig.  In einem solchen Fall findet Gärtner oder Gärtnerin Hilfe in dem handlichen Gartenratgeber „Wird das was oder kann das weg?
Erwünschte & unerwünschte Gartenpflanzen erkennen“
.

Unkraut bestimmen und Wild- und Beikräuter erkennen

Vielen kleine grüne Pflänzchen - das ist das Unkraut bestimmen keine leichte Sache
Hier verstecken sich irgendwo Pastinaken-Sämlinge. Nur was ist was?

Wird das was oder kann das weg? Erwünschte & unerwünschte Gartenpflanzen erkennen!
100 Pflanzen, die sich in heimischen Gärten gern selbst aussäen

Autor: Bärbel Oftring
Verlag Kosmos, 2017
Taschenbuch: 144 Seiten

Wie der Titel schon verrät, unterstützt es Anfänger wie Gartenprofis dabei, unerwünschte Gartenpflanzen im Jugendstadium schnell und sicher zu erkennen. Das Geniale: Die Pflanzen stellen sich in drei verschiedenen Wachstumsphasen vor.
Landläufig spricht man da vom „Unkraut bestimmen“ und „Unkraut jäten“. Unkraut – über dieses „Unwort“ habe ich schon meine eigenen Überlegungen im Gartenblog angestellt (Links siehe unten). Denn unerwünschte Beikräuter können durchaus auch beliebte Gartenblumen oder auch Gemüse sein. Andererseits könnten wir die so erfolgreichen Selbstaussamer im heimischen Garten doch einfach als ungeladene Gäste betrachten. Und die können durchaus auch eine Bereicherung einer ansonsten langweiligen Tafelrunde sein :)

Mit dem Buch in der Hand geht es in den Garten und am Pastinaken-Beet versuche ich also mein Glück:

Das kenne ich: Spinat und Kartoffel

Oben und unten Spinat. Das Dicke in der Mitte ist eine Kartoffel

Oben und unten erkenne ich an den großen Blättern meine beiden Spinatreihen. Da ist erst einmal nichts zu tun. Aber auch zwischen den Reihen ist ein einzelner Spinat-Same aufgegangen (links). Den erkenne ich an den langen Keimblättern und zupfe ihn raus. Denn er würde wie – oder als – Unkraut das Wachstum meiner Pastinaken behindern.

Das mit den großen Blättern in der Mitte muss auch raus. Das  ist eine Kartoffel-Pflanze. Die entwickeln sich aus den ganz kleinen Kartoffeln vom Vorjahr, die ich im Beet bei der Ernte übersehen habe. Sie wachsen sehr massiv und mit tiefen Wurzeln und würden schnell alles bedecken. Nach meiner Definition ist in diesem Fall auch die Kartoffel ein Unkraut. Im Buch „Wird das was oder kann das weg?“ gibt die Autorin Bärbel Oftring im Kapitel „Kraut oder Unkraut“ eine ganz ähnliche Definition dieses Begriffs wie ich.

Was ist das mit dem ovalen, eiförmigen Blatt?

Rundblättriges Unkraut: Vogelmiere
Mit dem Gartenratgeber ist es einfach, das rundblättrige Unkraut zu bestimmen

Nun nehme ich mir das Pflänzchen mit den rundlich-eiförmigen Blättern vor. Mit dem Bestimmungsbuch kann ich es relativ schnell identifizieren. Dabei hilft der gelungene Aufbau des Buches. Ich muss vorerst nur bestimmen, ob die Blätter rund, länglich oder mehrteilig sind. Zu Beginn jeder Rubrik gibt die Autorin Hinweise, was jeweils darunter zu verstehen ist.

Die konkreten Blätter sind in diesem Fall als rundlich definiert. Also schlage ich die Seiten mit den rundlichen Blättern auf und vergleiche die Bilder mit dem Wildkraut. Es werden die fraglichen Pflanzen jeweils mit drei Bildern vorgestellt: frisch gekeimt, 2 Wochen alt und einige Wochen alt.
Bei der Vogelmiere werde ich fündig: Das 2-Wochen-Bild des Bestimmungsbuchs zeigt eindeutig mein Pflänzchen im Pastinaken-Beet.

Was wächst da mit den rundlichen, aber gewellten Blättern?

Sämlinge mit rundlichen Blättern und gewelltem Rand

Gut: Die Kartoffel, den verirrten Spinat und die Vogelmiere kann ich rauszupfen. Aber da sind ja noch die Pflänzchen mit den rundlichen, herzförmigen Blättern mit gewelltem Rand.

Also noch einmal das Buch zur Hand nehmen, und durch die Seiten mit den rundlichen Blättern blättern. Treffer auf der vierten Doppelseite: Ehrenpreis. Also nix wie raus damit.

Aber halt! Dann bleibt ja zwischen Spinatreihen gar nichts mehr übrig. Wo sind denn dann meine Pastinaken-Sämlinge?
Also noch einmal die Bestimmung überprüfen: Kartoffel und Spinat ist klar, die Vogelmiere ist sicher bestimmt. Also müssen sich die Pastinaken unter den Gewelltblättrigen verstecken. Und beim genauen Hinsehen zeigen sich bei den Pflänzchen mit den herzfömig, gewellten Blättern auch deutliche Unterschiede.

Pflanzen mit rundlichen , gewellten Blättern aber verschiedenen Keimblättern

Einmal stehen unter den rundlichen Blättern lange, Tannennadeln ähnliche Blätter, ein andermal sind sie kleiner und rundlich, spatenförmig. Diese Blätter sind die Keimblätter, die allerersten Blätter, wenn der Samen keimt. Und dieses sind sehr häufig ganz anders als die späteren Blätter.

Da hilft das Bild „Frisch gekeimt“ in dem Bestimmungsbuch weiter. Das zeigt beim Ehrenpreis nur rundliche Keimblätter. Und auch die Beschreibung dazu ist eindeutig.
Die Pflanzen mit länglichen Keimblättern sind also definitiv kein Ehrenpreis – das müssen dann also meine gesuchten Pastinaken-Sämlinge sein.
Das „Unkraut“ ist also sicher bestimmt und kann gejätet werden. Den Rest lasse ich erst einmal stehen.

Nach dem Unkraut bestimmen und jäten bleibt die Reihe Pastinaken-Sämlinge über

Und tatsächlich erscheint eine schnurgerade Reihe kleiner Sämlinge – das sind meine Pastinaken. Jetzt wo ich den Überblick habe, kann ich noch einmal genauer jäten und anschließend hacken und mulchen.

Der Gartenratgeber „Wird das was oder kann das weg?“ von Bärbel Oftring hat mir unkompliziert und schnell genau diese Frage beantwortet. Ich konnte sicher bestimmen, was noch was werden soll und was ich jäten kann.

Was bietet das Unkraut-Bestimmungsbuch noch?

Ist das fragliche Bei- oder Unkraut bestimmt, bietet das Bestimmungsbuch auf einer Doppelseite komprimiert eine Vielzahl weiterer Informationen.

Die informative Doppelseite bietet auf der linken Seite

  • Einen markanten Teaser zum Titel, Beispiel Acker-Hellerkraut:
    „Die flachen, fast runden Schotenfrüchte, die an Münzen erinnern (Heller), gaben der Pflanze ihren Namen“.
  • Die folgenden Symbole ordnen die Pflanze gärtnerisch ein. Zum Beispiel, ob das Wildkraut zum Wuchern neigt, essbar ist oder ökologisch besonders wertvoll.
  • Ebenfalls auf der linken Seite finden sich die zwei Bilder mit passender Beschreibung, die das „Unkraut“ zur Bestimmung frisch gekeimt zeigen und wie es sich nach ca. 2 Wochen darstellt.
  • Weitere Daten wie lateinischer Name, Vorkommen oder Standort liefert der Steckbrief.

Was die rechte Seite der Doppelseite zeigt

  • Bild und ausführlichere Beschreibung des Wildkrauts nach weiteren Wochen Entwicklung, oft auch mit Blüte.
  • Ein Praxistipp zu Deko oder Verwendung
  • Eine Infobox gibt noch einmal weitere Infos zum Beispiel zu verwandten Arten.

Eigene Eindrücke beim Unkraut bestimmen

Ich finde das Buch rundum gelungen. Natürlich kann man auf 144 Seiten nicht alle möglichen Wildkräuter und potentielle Unkräuter für unseren Raum darstellen. Aber vieler der wichtigsten und häufigsten Pflanzen, die sich von selbst in unserem Garten einfinden, sind vertreten und werden als Keimlinge und Jungpflanzen treffend portraitiert.
Durch dieses besondere Bestimmungsbuch von Bärbel Oftring lernt man aber auch, die Besonderheiten junger Pflanzen  zu erkennen. Wie zum Beispiel, nicht nur auf die auffällige Blüte und hoch stehenden Blätter zu schauen, sondern bei der Pflanzen-Bestimmung auch auf Kleinigkeiten zu achten, wie die Form der Keimblätter. Mit diesem Wissen und am Buch geschulten Auge kann man dann auch selbst zum Beispiel im Internet oder in anderen Bestimmungsbüchern erfolgreich auf Recherche gehen.

Was mir besonders gefallen hat

  • Die Klappeninhalte vorne und hinten zeigen je die schönsten (Beispiel Sonnenblume) und die lästigsten Selbstaussamer
  • Das Querformat mit den Info-Doppelseiten zeigt alle Infos auf einen Blick und liegt gut in der Hand
  • Die Einteilung der Pflanzen in die drei Blätter-Rubriken ist so einfach wie praxisgerecht
  • Viele, teils überraschende Infos zu den Besonderheiten der Pflanzen
  • Die in der Regel aussagekräftigen Bilder
  • Die Hinweise auf mögliche Nutzungen in Küche, Garten und Haushalt

Links zum Unkraut bestimmen im Garten

 

 

 

 

 

4 Gedanken zu „Unkraut bestimmen im Garten: Wird das was oder kann das weg?“

  1. Danke für den Tipp.
    Die Renzension ist echt hilfreich. Insbesondere die Absätze, wo du aufzeigst, dass die Bestimmung an Hand der Blattform erfolgt und auch die Keimblätter berücksichtigt.
    Viele Grüße

  2. Meine Gemüsebeete verwuchern mit einer Kriechpflanze mit kleinen (5mm) Blättchen mit einem Punkt. Verzweigen sich wie wild.
    Was ist das und was kann ich dagegen tun ?

  3. Meine Gemüsebeete verwuchern mit einer Kriechpflanze mit kleinen (5mm) Blättchen mit einem Punkt. Verzweigen sich wie wild.
    Was ist das und was kann ich dagegen tun ?

    1. Hallo Johanna,

      ohne Foto kann ich da schwer was dazu sagen.
      Wenn du willst, kann du mit ein Foto davon per Email schicken.

      beste Grüße
      Johann

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