Schwarzer Rettich im Winter – scharfe Kugel mit Zauberkräften

Schwarzer Rettich – am 4. Dezember frisch aus dem Garten

Rettich war unverzichtbarer Bestandteil im Garten meines Vaters. Vom Eiszapfen und Ostergruß im Frühjahr, über weiße, kegelförmige Rettiche im Sommer bis zum kugelrunden Schwarzen Winterrettich ab Oktober.
Schwarzer Rettich: Der galt stets als der edelste unter unseren scharfen Rüben aus dem Garten.

Der Schwarze Winter-Rettich, oder auch nur Schwarzer Rettich, ist die Sorte Raphanus sativus L. var. Niger und war schon im alten Ägyptern 2500 v. Chr. bekannt. Er war noch bis vor 50 Jahren auch in Deutschland als typisches Wintergemüse sehr beliebt. Schwarzer Rettich ist wie anderes „altes Gemüse“ – zum Beispiel Steckrüben und Pastinaken – in den letzten Jahrzehnten aus der Mode gekommen und nach und nach aus den Regalen der Märkte und Supermärkte verschwunden. Aber dafür gibt´s ja jetzt zu Weihnachten Erdbeeren usw… :/
Mit der Rückbesinnung auf regional-saisonale Küche mit Öko(nomisch/logisch sinnvoller) Gemüse- und Vitalstoffversorung auch im Winter, wird auch der Schwarze Rettich wieder neu entdeckt.

Schwarzer Rettich – die Zauberkräfte

Warum ich so begeistert bin vom Winter-Rettich:

  • Späte Kultur möglich, z.B. auch nach zeitintensiven Vorkulturen wie Kartoffeln
  • Deshalb auch eine Probleme mit Maden und Rettichschwärze wie bei Sommerrettichen
  • Kann man bis in den Dezember hinein frisch aus dem Garten ernten
  • Danach einfach und lange lagerbar
  • Bringt im Winter knackige Frische auf den Tisch
  • Schmeckt unvergleichlich viel besser als die langweiligen weißen Rettiche
  • Ist als Rohkost und Salat sehr gesund
  • Hat als Hustensaft nachweisbar Heilkräfte

Schwarzer Rettich im Garten

Schwarzer Rettich wird von Juli bis August ins Freiland gesät. Dabei den Samen nur flach mit Erde bedecken, gut andrücken und feucht halten. Hier hilft eine alte Gärtnerregel: Deckerde etwa so hoch wie das Saatkorn dick. Nach meiner Erfahrung kommt Schwarzer Rettich entgegen vielen Beschreibungen auch mit schwereren, lehmigen Böden sehr gut zurecht. Nach dem Keimen werden die Sämlinge vom Schwarzen Winterrettich nach und nach auf 15 – 20 cm Abstand ausgedünnt. Wichtig: In der Wachstumzeit reichlich und wenn möglich gleichmäßig gießen. Bei der Beetplanung und Fruchtfolge beachten: Rettiche sind Kreuzblütler, alle Kohlsorten und auch Rucola sind auch Kreuzblütler und deshalb als Nachbarn oder Vorfrucht eher ungünstig. Die Ernte erfolgt dann je nach Saattermin vom September bis in den Dezember hinein.
Ich habe 2018 am 08. August gesät und ernte nun seit Anfang Oktober.

Schwarzer Rettich lässt sich lange frisch aus dem Gartenboden ernten, denn erst wenn die harten Fröste kommen, müssen die Rettich-Kugeln geerntet werden. Sie sind absolut druckunempfindlich und können im kühlen Keller, in Sand eingeschlagen, problemlos bis zum nächsten Frühjahr gelagert werden. Schwarzer Rettich zählt wie Karotten, Kopfkohl, oder Rüben zu den typischen Lagergemüsen und ist deshalb ein wichtiges Puzzleteil in der regional-saisonalen Selbstversorger-Küche.

Rettichschwärze ade!

Ein weiteres große Plus der schwarzen, scharfen Knolle: Im Anbau muss sich Gärtnerin und Gärtner nicht mit den üblichen Krankheiten und Schädlingen abplagen. Erstens ist der Schwarze Winterrettich durch seine Schärfe und Härte sehr widerstandsfähig, zum anderen haben mit der späten Aussaat und dem Wachstum im Herbst/Winter die „Würmer“ (Maden der Kohl- oder Rettichfliege) und vor allem die gefürchtete Rettichschwärze (mehr dazu siehe den Link unten) keine Chance. So ist es einfach eine Freude, die Knolle ohne Fraß- und andere Schäden aus dem Boden zu ziehen und in die Küche zu bringen – außen rau und schwarz, innen fein und blendend weiß.

Der schwarze Winter-Rettich in der Küche

Schwarzer Rettich - aufgeschnitten
Der Schwarze Winterrettich ist innen reinweiß, knackig, scharf und gesund – und absolut Wurm frei!!

Schwarzer Rettich ist schärfer als der Sommerrettich, schmeckt viel intensiver, erdiger und hat auch ein festeres Fleisch … und ist damit genau mein Fall :)
Bei uns wird in der Küche der schwarze Rettich in feine Scheiben geschnitten und anschließend gesalzen. Nach dem Salzen darf der Schwarze Rettich erst einmal eine halbe Stunde „weinen“. Durch das Bestreuen mit Salz reduziert sich die für Rettiche typische, und beim Schwarzen Rettich sehr ausgeprägte, Schärfe.
Schwarzer Rettich kann vor der Zubereitung geschält werden. Das ist aber meiner Meinung nach Verschwendung eines wertvollen Teils des Gemüses, zumal der schwarze Rand um die weißen Rettichscheiben herum einfach auch gut aussieht. Da reicht ein ordentliches Putzen mit der Gemüsebürste völlig aus.

Schwarzer Rettich schmeckt einfach wunderbar zur Brotzeit mit Bauernbrot, Wurst, Käse und einem kühlen Bier!
Zur Verwendung als Salat wird er meist geraspelt. Überdies soll er auch gebraten und in der Suppe verwendet werden können. Dafür ist er mir und seine wertvollen Inhaltsstoffe viel zu schade. Ich freue mich doch gerade winters über was Knackiges, Frisches :)

Schwarzer Rettich als bewährtes Hustenmittel

Schwarzer Rettich auf einem Glas mit Rettichsaft
Heilsamer Rettich-Sirup tropft ins Glas

Doch nicht nur in der Küche, sondern auch als natürliches Heilmittel wird der Schwarze Winterrettich geschätzt – vor allem bei Erkältungskrankheiten! Dank der scharfen, antioxidativen Senföle fördert der Winterrettich den im Winter trägen Stoffwechsel und wirkt entwässernd. Die Senföle wirken in diesem alten Hausmittel insbesondere in Form von Saft bzw. Sirup bei hartnäckigem Husten, Bronchitis und lästiger Heiserkeit. Zudem ist er ein zuverlässiger Lieferant von Vitamin C.
Die Herstellung des Hustensirups ist dabei denkbar einfach. Dafür wird dem Schwarzen Rettich mit Zucker der Saft entzogen.

Empfohlen wird, 3 – 5 mal täglich einen Teelöffel Sirup auf der Zunge zergehen zu lassen.
(Danke an Silke Bretschneider für das lehrreiche  Foto rechts! www.facebook.com/kleine.hexe.313)

Rezept für Rettich-Hustensirup

Zutaten: Schwarzer Rettich, brauner Rohrzucker und ein Schaschlikspieß oder ähnliches. Von Honig rate ich ab, denn der verflüssigt sich zu schnell. Dadurch werden die Zellen des Winterrettichs nicht aufgebrochen und können somit diese ihren wertvollen Pflanzensaft nicht freigeben .

  • Zuerst den Strunk des Rettichs oben als Deckel abschneiden.
  • Dann mit einem Messer und einem scharfen Löffel den Schwarzen Rettich aushöhlen. Es sollte nur noch maximal 1 cm Rand stehen bleiben.
  • Anschließend mit einem Schaschlikspieß oder Ähnlichem vom Boden des ausgehöhlten Rettichs aus Richtung Wurzel ein Loch durch den Schwarzen Rettich bohren. Dabei mit leichten Drehbewegungen das Loch etwas aufweiten, damit später der Rettichsirup abfließen kann.
  • Jetzt das Rettichfleisch vom Aushöhlen in kleine Stückchen hacken und mit etwa der gleichen Menge Rohrzucker mischen.
  • Daraufhin die Zucker-Rettich-Mischung in den ausgehöhlten Schwarzen Rettich füllen. Da wird anfangs nicht alles gleich hinein passen. Deshalb dem Rest in einer verschließbaren Schüssel aufheben.
  • Dann den so vorbereiteten Rettich mit der Spitze/Wurzel nach unten auf ein Glas setzen und mit dem abgeschnittenen Deckel wieder abschließen.
  • Bald schon perlen die ersten Siruptropfen aus der Rettichspitze ins Glas.
  • Nach ein paar Stunden kann man weitere Rettich-Zucker-Mischung hinzugeben, da sich durch das Abtropfen die Rettichmasse verkleinert. Das Ganze am besten über Nacht ziehen lassen.
  • Ein durchschnittlicher Schwarzer Rettich liefert etwa 100 ml Hustensirup.
  • Schließlich den Hustensirup in eine kleine Flasche füllen und im Kühlschrank aufheben.
  • Durch den hohen Zuckergehalt hält sich der hausgemachte Husten-Sirup eine Weile. Am besten jedoch frisch verwenden und bald aufbrauchen.

Links zu weiteren Rettich-Infos