Unkraut – oder doch einfach Beikräuter und Begleitflora?

Mahnung an den Gärtner
Mahnung an den Gärtner

Es gibt es kein Un-Kraut oder Unkraut!  Aber aus meiner Erfahrung gibt es schon Pflanzen, die  zur für mich wenig passenden Zeit am gerade ungünstigen Ort wachsen und gesegnet sind mit einer enormen Ausbreitungsdynamik ;)

Dieses Täfelchen fand ich am Stand einer Töpferin auf den diesjährigen Gartentagen in Freising. Ich hatte kurz überlegt, es mitzunehmen. Aber in meinem Garten wäre es im Unkraut  einfach untergegangen …

Das Thema „Unkraut“ ist ein so interessantes wie kontroverses.
Nach einer Definition versteht man unter „Unkraut“ die nicht gezielt angebaute Begleitvegetation von Kulturpflanzen. Die auch Beikräuter genannten Pflanzen wachsen spontan aus den Samen im Boden oder aus der Luft, oft auch über Wurzelausläufer .

Der Kartoffelschössling in der Rucolasaat ist Unkraut
Die bei der letzten Ernte übersehenen Kartoffeln schieben sich zwischen den Rucola

Was oft vergessen wird: Bei „Unkraut“ handelt es sich zwar meist um Wildpflanzen, es können aber genauso auch spontan aufwachsende Kulturpflanzen sein. Ich habe das derzeit im Garten: Aus den beiden Beeten, wo im letzten Jahr Kartoffeln standen, sprießen aus den bei der Ernte im letzten Jahr übersehenen kleinen Kartöffelchen kräftige Kartoffelpflanzen. Die heben mir unaufhaltsam die Maissaat hoch und schieben die Bohnenkeimlinge auf die Seite. Ein nerviges „Unkraut“ eben ;) .

Der Begriff „Unkraut“ ist dabei natürlich nicht auf Kräuter bzw. krautige Pflanzen beschränkt, so gehören natürlich auch Gräser zu den Pflanzen, die zur falschen Zeit am falschen Ort stehen können. Im oberpfälzer Vaterhaus hieß es auch nicht „Unkraut jäten“ sondern „ausgrasen“.

Wie umgehen mit Unkraut im Biogarten

Nachaufnahme der beiden Pflanzen
Ein Eichensämling unterm Blaukraut – wer will da von Unkraut sprechen!?

Ich glaube, keine Gärtnerin, kein Gärtner wird im Frühjahr Blumen säen und Gemüse pflanzen und dann „der Natur ihren Lauf lassen“. Denn das widerspräche dem Prinzip Garten. Garten ist aus der indoeuropäischen Wortwurzel heraus etwas Umzäuntes, Geschütztes, und damit von der „wilden“ Natur Abgetrenntes. Garten ist etwas menschlich Gestaltetes, kein reiner Naturzustand.

Aber eben auch ein Naturraum. Und aus der persönlichen Gewichtung von „Natur“ und „Kultur“ durch die Hand der Gärtnerin entspringt unter anderem die Vielfalt der Gärten. Ist auf den Beeten alles proper und frei von auch optisch störendem „Unkraut“, oder wird wie bei mir aus Faulheit und Prinzip nur das Nötigste entfernt, damit die Kulturpflanzen wachsen können?

Mohn, Ringelblumen und das Silbergrün des Zucchinis

Ich gehe einen Schritt weiter und gestalte meinen Garten mit den spontanen Begleitkräutern. Mein Kompost ist eine wahre Samenschleuder und bald im Frühjahr zeigen sich diverse Mohnarten, Mutter- und Leinkraut, Königs- und Nachtkerze, Borretsch und Ringelblume. All das geht von selbst in Mengen auf, bleibt erstmal stehen und weicht erst nach und nach der Saat oder Pflanzung. Bis zum Schluss von jedem eine Handvoll Pflanzen überbleibt und Farbe und Struktur zwischen die Gemüsepflanzen bringt. Und immer schafft es auch die Vogelmiere, der persische Ehrenpreis, Wolfsmilch und noch einiges andere, sich in meinem Garten seinen Lebensraum zu schaffen.

Unkraut-Links

Buchcover
Das Unkraut-Buch: Erkennen · Nutzen · Entfernen – 96 Seiten, Verlag: BLV – Auflage: 2 (9. Februar 2018)

Aber natürlich gibt es auch wirklich widerspenstige und nervige Kräutlein, die gerne auch den ganzen Garten übernehmen wollen.  Giersch zum Beispiel oder der äußerst vermehrungsfreudige kleine, gelb blühende Glücksklee. Beide mit der Kunst begabt, sich sowohl üppig über Samen als auch über zähe Wurzelausläufer vermehren zu können oder die Ameisen für sich arbeiten zu lassen – echte Überlebenskünstler eben!

Oder wie die Garten-Autorin  Jutta Langheineken sie nennt: Grenzenlose Weltbürger-Vagabunden und System infrage stellende Anarchos. Ihr „Unkrautbuch“ von 2018 hilft, die häufigsten Vertreter der Begleitflora im Garten zu erkennen – als Grundlage dafür, sie entweder am besten zu nutzen, wo möglich zu ignorieren oder wo nötig zu entfernen.